Mein Name ist Mykola Roslov, ich bin 21 Jahre alt und komme ursprünglich aus Mariupol in der Ukraine. Zurzeit bin ich Praktikant bei OJA Liechtenstein.
In meiner Freizeit lese ich gerne und mache Musik. Ich besuche eine Musikschule und bin Frontmann der Rockband Doranku, mit der wir regelmässig Konzerte in Liechtenstein und auch im Ausland spielen. Ausserdem nehme ich gerne an verschiedenen sozialen und kulturellen Veranstaltungen teil, wie Workshops, Konzerten oder anderen Events.
Mit 17 Jahren kam ich nach Liechtenstein, auf der Flucht vor dem Krieg. Meine Heimatstadt Mariupol wurde komplett zerstört, und ich musste mein Leben von Grund auf neu beginnen. Neue Umgebung, neue Sprache, neue Menschen – alles war am Anfang eine grosse Herausforderung. Ich begann intensiv Deutsch zu lernen und besuchte verschiedene Kurse. So startete mein Integrationsprozess.
Durch Freunde aus der Ukraine entdeckte ich den Jugendtreff in Schaan – das damalige „Bermuda“ (Bermuda forever!). Dieser Ort hat mich sofort begeistert. Es war für mich etwas ganz Besonderes zu sehen, dass es Räume gibt, in denen Jugendliche ihre Freizeit sinnvoll und kreativ gestalten können – und die für alle offen sind.
In meiner Heimatstadt gab es nur ein ähnliches Zentrum, jedoch mit deutlich weniger Möglichkeiten. Deshalb nutzten wir das Angebot im Bermuda umso mehr: Wir waren fast jeden Tag dort, solange es geöffnet war. Die Jugendarbeiter:innen haben uns herzlich aufgenommen und unsere Ideen immer unterstützt.
Gemeinsam mit meinen Freunden gründeten wir dort sogar unsere erste Band. In der Garage richteten wir uns einen Proberaum ein, gestalteten die Wände und machten den Raum zu unserem eigenen kreativen Ort. Diese Zeit hat mich stark geprägt und mir gezeigt, wie wichtig Jugendarbeit für junge Menschen sein kann.
Nach einem Jahr in der lokalen Schule stand für mich die nächste Frage im Raum: Wie geht es weiter? Ich lernte weiter Deutsch und begann, mich immer mehr zu integrieren. Ich nahm an verschiedenen Veranstaltungen teil, unter anderem bei Projekten von Camäleon. Mit meiner Band organisierten wir ein Benefizkonzert und konnten Spenden für die Ukraine sammeln. Ausserdem spielten wir bei „Planken Rockt“.
Ich wollte immer ein aktiver Teil der Gesellschaft sein und suchte nach einer Tätigkeit, die abwechslungsreich ist und bei der man mit Menschen arbeiten kann. Deshalb wurde mir klar, dass ein Praktikum bei der OJA genau das Richtige für mich sein könnte – auch, weil ich gut einen Zugang zu Jugendlichen finde.
Seit Februar 2026 bin ich nun Teil des Teams im Jugendtreff Kontrast in Triesen, gemeinsam mit Michael und Juliane. Von Anfang an habe ich mich sehr wohlgefühlt. Ich konnte bereits viel lernen und entwickle mich ständig weiter. Besonders schätze ich, dass meine Meinung ernst genommen wird und ich mich aktiv einbringen kann. Ich werde immer ermutigt, eigene Ideen einzubringen und Initiative zu zeigen.
Gelegentlich unterstütze ich auch an anderen Standorten und habe dadurch Einblicke in verschiedene Teams, wie zum Beispiel bei Camäleon oder Rugasch. Mir gefällt besonders, wie abwechslungsreich die Arbeit ist – kein Tag ist wie der andere.
Die Jugendlichen haben mich schnell wahrgenommen und aufgenommen. Am Anfang war es nicht immer einfach, auf sie zuzugehen und Gespräche zu führen, doch mit der Zeit wurde es leichter. Heute ist der Umgang viel entspannter, und auch ausserhalb des Jugendtreffs begegnen wir uns oft freundlich und offen. Es bedeutet mir viel, wenn Jugendliche mir ihre Geschichten und Gedanken anvertrauen.
Ich durfte bereits bei verschiedenen Projekten und Events mitwirken: zum Beispiel bei einem Graffiti-Workshop im Rahmen der Aktionstage gegen Rassismus. Am 21. März spielte ich mit meiner Band bei einem Event zu diesem Anlass. Am 28. März organisierten wir gemeinsam mit Michael, einem weiteren Praktikanten und zwei Jugendlichen eine alkoholfreie Bar am GymmiBall – bis spät in die Nacht.
Durch meine Zeit bei der OJA sammle ich viele wertvolle Erfahrungen – sowohl fachlich als auch persönlich. Mit jedem Tag wird mir klarer, dass ich meinen Weg in der sozialen Arbeit weitergehen möchte.
